Reife Renekloden am Baum
Reife Renekloden am Baum

 

Zu früheren Zeiten hatten die meisten Menschen auf dem Land einen eigenen Garten. Es gab vermehrt Streuobstwiesen und Landstriche mit reichhaltigem Wildwuchs unterschiedlichster Frucht- und Obstsorten. Im Zuge der Industrialisierung wurde es mehr und mehr wichtig, dass Gemüse- und Obstsorten besonders lagerfähig und möglichst von gleichem Aussehen waren. So kam es, dass mit der Zeit immer mehr historische, alte Obstsorten von der Bildfläche verschwanden, heute im Supermarkt eher ein Einerlei statt Vielfalt vorherrscht und leider auch viele alte Obstsorten in Vergessenheit gerieten.

 

  • Alte Obstsorten wiederentdecken
  • die wichtigsten Früchte
  • Vorteile von alten Obstsorten

Das ist mehr als nur schade, denn alte Obstsorten haben sich im Laufe der Jahrhunderte gut an unsere hier herrschenden, klimatischen Bedingungen angepasst.
Auch an Inhaltsstoffen haben sie meist mehr zu bieten als die modernen Züchtungen, die durch strenge Auswahl nach anderen Kriterien einen hohen Verlust an früheren Inhaltsstoffen erleiden mussten.




Geschmacklich sind die historischen Sorten ebenso ein ganz anderes Erlebnis als es viele der geschmacksarmen Sorten im Handel jemals sein könnten.
Kein Wunder – wurden doch viele Eigenschaften wie Geschmack, Schädlingsresistenz oder Frostunempfindlichkeit zugunsten von Lager- und Transortfähigkeit und einheitlicher Größe und Aussehen weggezüchtet.

Aber es gibt sie noch, die historischen, alten Obstsorten von damals, die man im Supermarkt vergeblich suchen wird. Denn bis heute gibt es Obstgärtner, denen biologische Vielfalt, Individualität und Ursprünglichkeit mehr wert sind als massenproduziertes Einerlei.
Folgende Sorten der unterschiedlichen Früchte gab und gibt es zum großen Teil also noch heute und warten darauf, wieder entdeckt zu werden:

Altdeutsche Apfelsorten

Wer hätte gedacht, dass es neben Gala und Elstar weit über 15.000 verschiedene Apfelsorten gibt? Wer alte Obstsorten sucht, hat bei den Äpfeln die Qual der Wahl. Hier kommen ein paar zur Auswahl.

1. Alantapfel

Dieser Apfel besticht durch sein angenehm süßes Aroma. Er ist in Deutschland seit dem 16. Jahrhundert als Tafelapfel beliebt und bekannt. Zwar wird er nicht sehr groß, ist aber als Winterapfel auch gut zum Lagern geeignet.

2. Badischer Brauner Matapfel

Ebenfalls seit dem 16. Jahrhundert erfreut der Braune Matapfel Liebhaber – oft in Form von leckeren Apfelsäften und Weinen. Er gilt als älteste Apfelsorte hierzulande, ist mittelgroß mit hellroter Schale, teils violetter Schale.
Er ist auch eine der lagerfähigsten Äpfel, denn im Apfelkeller kann er bis Mai ohne Probleme untergebracht werden.

3. Gacksapfel

Dieser altdeutsche Winterapfel ist ebenfalls eine alte Obstsorte, die unbedingt erhalten bleiben sollte. Er ist hellgrün, wird mit zunehmender Reife jedoch eher lila. Er reift recht früh, nämlich schon Ende September und ist mindestens bis April lagerfähig.
Er ist bekannt für seine Robustheit, widerstandsfähig gegen Frost und Apfelschorf und besticht durch sein fein-säuerliches, erfrischendes Aroma.

Alte Birnensorten

1. Gellerts Butterbirne

Diese Birne zählt zu den ältesten Birnensorten weltweit und ist seit 1838 auch in Deutschland heimisch geworden. Gellerts Butterbirne wurde nach dem Dichter Christian F. Gellert benannt und gilt als exzellente Tafelbirne mit hohem Saftgehalt und leicht säuerlich-erfrischendem Aroma.

2. Petersbirne

Vor einigen Jahren noch stand dieser Birnbaum fast in jedem Haus- oder Bauerngarten, doch nach und nach wurde diese Sorte von den neuen Züchtungen und Veredelungen verdrängt und ist heute nur noch selten anzutreffen.
Diese kleinen, hocharomatischen Birnen sind voller Süße mit einem leichten Zimtaroma.
So lecker können alte Obstsorten sein.

3. Bayerische Weinbirne

Diese vor allem in Süddeutschland beheimatete Birne ist die ideale Birne für leckeren Most und eignet sich ebenso hervorragend zum Dörren. Dörrbirnen und das Kletzenbrot sind altdeutsche Delikatessen, für die solche süßen, saftigen Früchte benötigt werden.

Alte Kirschsorten

Schätzungen zufolge gab es im 19. Jahrhundert mehr als 600 Kirschsorten in Deutschland.
Welch ein Reichtum an diesen leckeren Früchten dies einst gewesen sein muss.

1. Schneiders Späte Knorpelkirsche

Weit mehr als 100 Jahre lang kennt man diese Kirsche schon in Deutschland.
Durch ihre recht späte Blütezeit ist auch die Erntezeit etwas später als bei anderen Sorten. Mit der späten Blütezeit versorgt Schneiders Späte Knorpelkirsche auch noch Bienen und andere Insekten, wenn andere Obstbäume schon längst verblüht sind.
Diese historische Süßkirsche ist für ihre dicken Früchte und schwarz-braun besprenkelte Schale bekannt.

2. Der Rottaler Sämling

Der Rottaler Sämling ist als sehr frostfest und gesund bekannt. Die mittelgroßen Früchte sind fast schwarz und meistens madenfrei. Mit ihrem süßen Wildkirscharoma eignen sie sich für Säfte, Kompotte und vieles mehr.
Überreife Früchte faulen nicht, sondern verschrumpeln am Baum, bleiben dadurch genießbar und gewinnen an schmackhafter Süße.

3. Heimanns Rubinwechsel

Diese Sorte ist seit 1920 bekannt, ist in Deutschland aber wahrscheinlich schon länger ansässig.
Es handelt sich um eine robuste, alte Sauerkirsche, die unempfindlich gegen die Moniliafäule sein soll. Sie stellt keine besonderen Ansprüche an Pflege und Standort und besticht durch ihre großen, dunkelroten Früchte.

Alte Pflaumen- und Zwetschgensorten

1. Reneklode oder Reneclaude

Die Edelpflaume – Reneklode  oder auch Reneclaude – schmeckt am besten frisch vom Baum gepflückt. Sie hält sich nicht sehr lange, aber aus ihr lassen sich leckere Marmeladen und selbst Liköre zaubern.
Die Reneklode und ihre Verwandten, die Mirabellen, bestechen durch ihre dezente Süße und ergeben außer hervorragenden Marmeladen auch würzige Chutneys. Gerade alte Obstsorten sind ja generell vielseitig verwendbar.
Sowohl von den Renekloden als von den Mirabellen gibt es wiederum zahlreiche Sorten in unterschiedlichen Farb- und Geschmacksrichtungen und Größen.

2. Bühler Frühzwetschge

Schon seit 1840 ist diese Zwetschge in Deutschland bekannt und beliebt. Auch sie schmeckt frisch am besten, kann aber auch gut gelagert werden. Diese Zwetschge gilt als gut steinlösend und hat einen süß-säuerlichen Geschmack. Sie kann frisch verzehrt, aber auch zu Marmelade, Gelee, Saft und Kompott verarbeitet werden. Die Bühler Frühzwetschgenbäume sind recht widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und auch ansonsten eher robust.

3. Herman Zwetschge

Die Früchte dieses Baumes sind mittelgroß und fallen durch ihren starken Duft sofort auf. Das Fruchtfleisch ist im Gegensatz zur Schale gelb und angenehm süß.
Sowohl für den Frischverzehr als auch für Kuchen und Marmeladen eignen sich diese dunkelblauen Zwetschgen gut.

Die Mispel und die Quitte

Noch im Mittelalter kannten die Menschen die Mispel in Deutschland fast überall.
Heute trifft man die Mispel, die mit der Quitte verwandt ist, ab und an noch in einem Park. Die kleinen Früchte, deren vertrockneter Kelchzipfel auch noch an der Frucht zu erkennen ist, sind braun und hart. Durch den recht hohen Pektingehalt und ihres herb-süßen Aromas wegen eignen sie sich am besten für Marmeladen und Kompott.
Auch die Quitte ist eine alte Frucht, aus der sich vielerlei Leckereien zaubern lassen.
So gibt es noch heute das traditionelle Quittenbrot, Quittengelee und Quittensaft.




Diese und weitere alte Obstsorten haben sich seit Jahrhunderten immer wieder gut bewährt und sich unseren klimatischen und örtlichen Besonderheiten mit der Zeit angepasst. Sie verschönern nicht nur unser Landschaftsbild, sondern bereichern uns auch durch ihren außergewöhnlichen Geschmack und ihre Vielfalt.

 

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