Echte Nelkenwurz (Geum urbanum)
Eine zarte Geum-Blüte © Dieter Hupka

 

Die heimische Nelkenwurz wurde einst vielseitig als Heilmittel und Gewürzpflanze verwendet. Kreuzungen mit Geum aus fernen Ländern ergeben aparte, aber leider nur wenig bekannte Gartenblumen.




Allgegenwärtig aber unbekannt

Nelkenwurz oder Geum ist wohl den meisten Menschen unbekannt, dabei hat man mit ihr beim Spaziergang in der Natur oft Kontakt. Kleine ballförmige Kugeln klammern sich mit hakenförmigen Ausläufern an Kleidung oder ans Hundefell. Hierbei handelt es sich um die Samen der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum L.), die sich auf diese Art verbreiten. Klein und unauffällig sind ihre kurzlebigen goldgelben Blüten. Schon sehr bald nach dem Erblühen bilden sich am Ende des Stängels die Nussfrüchte, welche auch Kaminfegerchen genannt werden. Durch ihre unorthodoxe Verbreitung ist die Pflanze an feuchten, schattigen Standorten weit verbreitet, wo sie nur als lästiges Unkraut wahrgenommen wird.

Garten-Nelkenwurz
Geum in orange © Dieter Hupka

Würz- und Heilpflanze

Nelkenwurz: dieser Name ist programmatisch. Die Wurzeln von Geum urbanum enthalten das Glycosid Gein, welches zu Eugenol, dem Hauptbestandteil des Gewürznelkenöls zerfällt. Gewürznelken waren einst ein Luxusgut, für den Normalbürger schier unerschwinglich. Aber die Wurzel der heimischen Nelkenwurz war durchaus mehr als ein preiswerter Ersatz. So würzte sie Speisen, diente als Duftstoff sowie als Heilmittel bei Zahnfleischentzündungen, Halsschmerzen und Verdauungsbeschwerden. Hildegard von Bingen warnte vor den Nebenwirkungen dieser Pflanze: „ein Zuviel entfacht begehrliche Liebe“! Ebenso vielfältig wie ihre Nutzung sind ihre Namen: Benediktinerwurzel, Herzwurzel, Igelkraut und Nardenwurzel. Ähnliche Eigenschaften, jedoch in abgeschwächter Form, findet man bei der heimischen Bachnelkenwurz (Geum rivale).

Nelkenwurz (Geum rivale)
Blüte kurz vor dem Öffnen © Dieter Hupka

Anmutige Gartenpflanze

Im Gegensatz zur heimischen Nelkenwurz sind die Garten-Nelkenwurz (Geum coccineum) vom Balkan und der Türkei sowie die ‚Feuerball‘ – Nelkenwurz (Geum chiloense) aus Chile üppiger in ihrer Blüte. Beide Arten haben Züchter mit Geum rivale gekreuzt und so eine reiche Anzahl entzückender Hybriden geschaffen. Etwa 160 Sorten mit zunehmender Tendenz gibt es inzwischen.

Auch wer nicht wie die Engländerin Sue Martin, welche in ihrem Brickwall Cottage in Kent Englands größte Geumsammlung (www.geumcollection.co.uk) hütet, dem Geum-Fieber verfallen ist, sollte einige dieser aparten Blumen in seinem Garten hegen.

Große Auswahl

Die Bandbreite der Nelkenwurz-Hybride ist enorm: Es gibt hängende Glöckchen, kecke, aufrecht stehende Sonnengesichter, gefüllte, gerüschte und einfache Schalenblüten. Die Farbpalette reicht von

  • Weiß (Geum ‚Proud’s Pearl‘),
  • Gelb (‚Mandarin‘, ‚Tequila Sunrise‘, ‚Diana‘, ‚Carlotta‘),
  • Orange (eine häufige Farbe, z. B. ‚Werner Ahrends‘, ‚Georgenberg‘, ‚Sigiswang‘, ‚Feuermeer‘),
  • Rosa (‚Mai Tai‘, ‚Bell Bank‘, ‚Dawn‘) bis zum
  • kräftigen Rot (‚Mrs. J. Bradshaw‘, ‚Leonards Variety‘, ‚Red wings‘).

Zwar haben fast alle Staudengärtnereien einige Nelkenwurze im Angebot, jedoch ist dieses im Verhältnis zum großen Sortenreichtum recht überschaubar. Wer sich mit dem Geum-Virus infiziert hat, muss immer auf der Suche sein.

Standort und Pflege

Alle Geumsorten mit hängenden Glöckchen lieben feuchte Böden im lichten Schatten. Etwas mehr Sonne verlangen die aufrecht stehenden Sorten. Auch sie gelüstet es nach feuchten, nahrhaften Böden. Bei Trockenheit stellt sich rasch Mehltau ein, der die ganze Pflanze zum Erliegen bringt. Abschneiden der befallenen Blätter und reichliches Gießen kann Abhilfe schaffen. Die wintergrünen Blattrosetten bilden durch Wurzelausläufer dichte Teppiche. Alle drei bis vier Jahre sollte die Pflanze geteilt und in frische mit reichlich Kompost versehene Erde verpflanzt werden.




Geum 2
Geum in rot © Dieter Hupka

Verwirrspiel

Wer gefüllte Sorten erworben hat, erlebt oft eine Enttäuschung: Die Blüten sind einfach. Eine gefüllte Blüte stellt sich oft erst ein, wenn die Pflanze voll etabliert ist. Auch zum Ende der Saison erscheinen oft nur noch ungefüllte Blüten. Blühen gefüllte Sorten immer nur einfach, fehlt es ihnen an Nährstoffen.

Die Hauptblütezeit findet im Mai und Juni statt. Manche Exemplare bringen es sogar noch zu einer Nachblüte im September.

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