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Johanniskraut © Dieter Hupka

 

Johanniskraut ist eine bewährte Heilpflanze, welche als sanftes Antidepressivum häufig Verwendung findet. Seine magische Wirkung ist darüber in Vergessenheit geraten.




Seit 2000 Jahren hat Johanniskraut einen hohen Stellenwert in der Volksmedizin. Das aus den Blüten gewonnene „Rotöl“, das sog. „Johannisblut“ wurde äußerlich bei Wunden auf der Haut, bei Blutarmut, Hämorrhoiden, Gebärmutterblutungen nach Entbindungen und bei ausbleibenden Regelblutungen genutzt. Medizinisch wirksam ist nur das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch Tüpfel-Johanniskraut, Gewöhnliches oder Durchlöchertes Johanniskraut genannt. Die Blätter dieser Sorte erscheinen – gegen das Licht gehalten – wie von einer Nadel durchlöchert. Es sind transparente Öldrüsen, welche ätherisches Öl und Harze enthalten. Dieses Aussehen begründete den Volksglauben, das Kraut sei gegen Hieb- und Stichverletzungen wirksam.

Ärzte des Mittelalters

Albertus Magnus (um 1200-1280) beschrieb die Heilkraft des Johanniskrautes in Bezug auf Herz, Leber und Nieren, gegen Rheuma und Gicht. Hildegard von Bingen (1098- 1179) tat diese Pflanze als Viehfutter ab. Paracelsus (ca. 1493-1541), der Universalgelehrte und große Arzt des 16. Jahrhunderts, erkannte als Erster die heute wissenschaftlich gesicherte antidepressive Wirkung von Hypericum perforatum: „Got hat ein groß arcanum (Geheimnis) in das Kraut gelegt, gegen die Geister und dollen Fantasien, die den Menschen in Verzweiflung bringen“.

Aberglaube

Als die Menschen noch nichts von pharmakologischen Eigenschaften der Pflanzen wussten, jedoch ihre Heilkraft kannten, glaubte man an übersinnliche Kräfte, welche zahlreichen Kräutern innezuwohnen schienen. Eine hohe Wirksamkeit gegen dunkle Mächte wurde in Kräutern vermutet, welche im Sommer blühten. Die sogenannten Johanniskräuter wie Margeriten (auch Johannisblumen genannt), Klee und Johanniskraut wurden am Tag der Sonnenwende gepflückt und zu Kränzen gewunden. Diese Kränze wurden zur Krankheitsabwehr unter das Kopfkissen gelegt, zum Schutz des Hauses gegen Blitzschlag an Tür und Tor gehängt und in Viehställen zum Schutz der Haustiere gegen böse Mächte aller Art verteilt. Von allen in der Johannisnacht gesammelten Kräutern, so glaubte man, sei Hypericum perforatum das wirkungsvollste. Johanniskraut vertreibe Dämonen, Hexen und Teufel. Wöchnerinnen und ihr Neugeborenes waren dem Neid übelwollender Geister besonders ausgesetzt. Zu deren Abwehr wurden Labkraut und Johanniskraut auf das Lager gestreut („unser lieben Frauen Bettstroh“).

Orakelpflanze

Als Orakel- und Liebes-Zauberpflanze diente Johanniskraut ebenfalls. Die Farbe der in der Mittsommernacht in einem Tuch zerdrückten Blüten, gab Auskunft über heimliche Liebe. Das Orakel dazu für die Erwiderung der Liebe lautete „bist mir gut, gibst mir Blut“.  Dies war dann der Fall, wenn die an sich gelben Blüten ihren roten Saft abgaben. Auch unerwünschte Liebe wurde durch in den Schuhen deponiertes Johanniskraut und entsprechende Zaubersprüche abgewehrt.

In Thüringen wurde von allen Hausbewohnern ein Zweig Johanniskraut in eine Vase gestellt. Wessen Blume zuerst welkte, der würde als nächster sterben, so die Mär.

Verwendung als Heilpflanze

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Hyperforin, Hypericin, Flavonoide, ätherisches Öl sowie Gerb- und Farbstoffe. Zur Anwendung kommen getrocknete Blüten und Blätter als Tee, alkoholische Tinktur und öliger Auszug (Rotöl) und diverse fertige Arzneimittel. Johanniskraut wird äußerlich als Rotöl oder Salbe bei Verletzungen, Blutergüssen, Nervenschmerzen, Allergien, Neurodermitis, Gürtelrose, Krampfadern und Sehnenscheidenentzündungen mehrmals täglich auf die jeweils betroffene Körperregion aufgetragen. Rotöl wirkt schmerzstillend, abschwellend, antiviral und antibakteriell.




Als Tee, Tinktur oder fertiges Präparat innerlich verabreicht wirkt Johanniskraut beruhigend bei Nervosität und Schlafstörungen.

Zu beachten ist, dass Hypericum perforatum die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht und in Wechselwirkung mit einigen wichtigen Medikamenten steht.

Botanisch

Johanniskraut gehört zu den Hartheugewächsen, einer Familie mit 900 Arten. Bei uns sind etwa zehn Johanniskrautarten vertreten. Medizinisch relevant ist jedoch nur Hypericum perforatum, das Echte oder Gemeine Johanniskraut. Weit verbreitet wächst die 50-100 cm hohe Staude mit den kleinen gelben Trugdolden auf kargen Böden in sonniger Lage, oft als Ruderalpflanze. Das als Zierpflanze genutzte Johanniskraut stammt aus dem Mittelmeerraum. Hypericum calycinum, das Großkelchige oder Immergrüne Johanniskraut,  ist ein anspruchsloser Bodendecker, ideal um steile Böschungen zu bepflanzen. Hypericum polyphyllum, das Zwergjohanniskraut, ist mit seinen bis zu fünf cm großen Blüten eine pflegeleichte Staude für Steingärten und Trockenmauern.

 

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