Eine rote Kamelienblüte © Dieter Hupka

 

Einst galten Kamelien als kapriziöse Schönheiten, deren Pflege nur mit großem Aufwand gelang. Neuere winterharte Sorten zu erschwinglichen Preisen lassen jedermann an dem vormaligen Luxusgut teilhaben.




Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts fieberte die adelige Welt im Kamelienrausch. Das schöne Teestrauchgewächs eroberte als gefragteste Modeblume die Welt der Reichen und Schönen zwischen Paris und St. Petersburg. Besonders der russische Adel erlag dem Reiz der wachsartigen Blüten von Camellia japonica. Damen und Herren schmückten mit ihnen Kleidung und Frisuren, der Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas d. J. wurde zum Bestseller. Vermögen wurden für die Ausstattung von Ballsälen mit Kamelien ausgegeben.

Weiße Kamelienblüte © Dieter Hupka

Kamelienzentrum Dresden

Obwohl Kamelien aus Asien stammen, eroberten sie das Zarenreich von Westen aus. Am französischen Königshof befand sich eine erhebliche Anzahl von Kamelien, welche in den Wirren der Revolution unterzugehen drohten. Zu dieser Zeit sammelte Jacob Friedrich (1789 – 1860), Sohn des sächsischen Hofgärtners Johann H. Seidel (1744 – 1818), in Paris gärtnerische Berufserfahrungen. 1812 wurde er zur napoleonischen Armee eingezogen und gen Osten abkommandiert, wo er 1813 bei Erfurt desertierte. In seinem Tornister führte er drei Kamelienpflanzen aus Paris als Souvenirs mit, die er auf seinen langen Fußmärschen sorgsam hütete. Sie wurden zum Grundstock für eine außerordentlich erfolgreiche Zucht. Bereits in den 1830er Jahren verfügte Jacob Friedrich Seidel über 300 Sorten in Tausenden von Exemplaren, welche in ganz Europa gehandelt wurden. Auch wenn der Hype um die Kamelie nachließ, blieb ihr die Familie Seidel über Generationen treu. Mit dem Tod des letzten Besitzers Herbert Seidel erlosch die Bedeutung der Gärtnerei. Als volkseigener Betrieb führte die Sammlung ein Schattendasein in der DDR.

Nach der Wende gelang es dem Diplomgärtner Matthias Riedel das fast vergessene Erbe neu zu beleben. Heute erstrahlt die Sammlung der exotischen Schönheiten wie zu den besten Seidel’schen Zeiten. Im März öffnet das Schloss Zuschendorf bei Dresden zur Hauptblütezeit seine Tore und begeistert das Publikum mit vielfältigen Schätzen, im Jahr 2016 in der Zeit vom 01.03 – 10.04.2016 (näheres unter: www.kamelienschloss.de).

Kultur der Kamelien

Kamelien waren ursprünglich nicht winterfest und mussten nach einem sommerlichen Freilandaufenthalt vor Frösten geschützt werden. In ihrem Winterquartier bevorzugen sie eine kühle, nicht über 15 °C liegende feuchte Raumluft. Zu trockene und zu warme Luft lässt die Knospen nur unvollständig öffnen, zudem drohen Läuse und Pilzbefall. Diese Bedingungen konnten nur wenige Privatleute erfüllen, sodass sich das Interesse an diesen Pflanzen allmählich verlor.




Neue Leidenschaft

Ende des 20. Jahrhunderts erlebte die Kamelie eine Renaissance, nachdem winterharte Sorten angeboten werden konnten. Mit der Farbpalette von strahlendem Weiß über zartes Rosa bis zu vielfältigen Purpurtönen und mit der gehörigen Sachkenntnis gepflanzt können sie eine stattliche Größe erreichen und sehr alt werden. Eines der ältesten Exemplare in Europa, inzwischen über 230 Jahre alt mit einer Höhe von annähernd neun Metern, findet man im Schlosspark von Pillnitz in Sachsen.

Pflanzung von Kamelie im Freiland

Pflegt man Kamelien wie Rhododendren, macht man alles richtig. Da junge Pflanzen noch empfindlich reagieren, sollten nur Sträucher mit einem Alter von vier und mehr Jahren gepflanzt werden. Frostfest sind nur gut eingewurzelte Pflanzen. Pflanzzeit ist die Zeit ab Mitte März oder nach Ende Juli. In lichtem Schatten mit leicht saurem Boden (pH-Wert +5,5), zudem humusreich und durchlässig werden Kamelien flach in ungedüngte Erde gesetzt und erstmals nach einem Jahr gedüngt. Auch wenn der Strauch Frost bis zu minus 20 °C verträgt, sind die Knospen der Blüten meist weniger robust. Besonders plötzlich einsetzender Kahlfrost lässt sie leicht erfrieren. Eine vorübergehende Abdeckung der Pflanze ist daher anzuraten.

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  • Helga Urban, Klaus Urban
  • Herausgeber: Verlag Eugen Ulmer
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